Versottung wird meistens von innen erklärt – Kondenswasser, Verbrennungsrückstände, zu niedrige Abgastemperaturen. Das stimmt auch. Aber es gibt eine zweite Feuchtigkeitsquelle, die häufig übersehen wird: Regen, der von oben in den Schornstein eindringt.
Die Auswirkungen sind ähnlich, die Ursache eine andere. Und wer nur auf die innere Kondensation schaut, löst das Problem nicht vollständig.
Wie Regenwasser in den Schornstein gelangt
Ein offener oder schlecht abgedeckter Schornstein ist die offensichtlichste Eintrittspforte. Fehlt die Abdeckung ganz, fällt Regenwasser direkt in den Schornsteinzug. Bei starkem Regen können das beachtliche Mengen sein – besonders bei breiten, alten Schornsteinen ohne Innenrohr.
Aber auch scheinbar intakte Schornsteine können betroffen sein. Risse im Schornsteinkopf, beschädigte Fugen, eine poröse Verfugung zwischen Schornstein und Dacheindeckung – all das sind Stellen, an denen Wasser seitlich eindringt, oft unbemerkt über Jahre.
Selbst Schornsteine mit Aufsatz sind nicht automatisch geschützt. Wenn der Aufsatz nicht dicht anschließt oder durch Frost beschädigt wurde, läuft Wasser an der Außenwand des Schornsteins entlang und zieht ins Mauerwerk.
Was Regenwasser im Schornstein anrichtet
Regenwasser ist zunächst chemisch neutral – das ist der Unterschied zur Kondensationsfeuchte, die säurehaltig ist. Aber auch neutrales Wasser richtet im Schornsteinmauerwerk Schäden an.
Es löst Mineralsalze aus dem Mörtel und dem Stein. Es transportiert diese Salze nach außen, wo sie als weiße Ausblühungen sichtbar werden. Es durchfeuchtet den Putz, macht ihn weich und zerstört langfristig seine Struktur.
Der eigentlich gefährliche Moment entsteht, wenn Regenwasser auf bereits versottetes Mauerwerk trifft. Dann verbindet es sich mit den Teersäuren im Stein und verschleppt diese tiefer ins Material oder nach außen. Was dann an der Wand erscheint, sieht aus wie klassische Versottungsflecken – obwohl der Schornstein vielleicht gar nicht mehr betrieben wird.
Stillgelegte Kamine sind hier besonders anfällig. Kein Heizen bedeutet kein warmer Zug, der Feuchtigkeit nach oben treibt. Regenwasser, das eindringt, bleibt stehen.
Regen oder Kondensation – wie man den Unterschied erkennt
Die Lokalisation der Feuchtigkeitsschäden gibt oft einen ersten Hinweis. Kondenswasserprobleme zeigen sich typischerweise auf mittlerer Höhe – dort, wo die Abgase abkühlen und Kondensat ausfällt. Regenbedingte Schäden beginnen oben und arbeiten sich nach unten vor.
Wenn Feuchtigkeitsflecken zuerst auf dem Dachboden oder im oberen Bereich des Schornsteins auftauchen und sich erst später nach unten ausbreiten, ist Regenwasser wahrscheinlicher als innere Kondensation.
Ein weiteres Indiz: der zeitliche Zusammenhang. Wenn die Flecken nach Regenperioden größer werden und nach trockenen Phasen zurückgehen, spricht das klar für einen äußeren Eintrag.
Was dagegen hilft
Der erste Schritt ist eine Sichtprüfung von oben – Schornsteinabdeckung, Schornsteinkopf, Verfugung zur Dacheindeckung. Risse und poröse Fugen lassen sich oft mit geeignetem Schornsteinmörtel abdichten. Eine fehlende oder beschädigte Abdeckung sollte ersetzt werden.
Bei Schornsteinen, die noch in Betrieb sind, hilft ein Kondenswasserthermometer dabei einzuschätzen, ob zusätzlich zur Regenfeuchte auch innere Kondensation ein Thema ist – denn oft treten beide Probleme gemeinsam auf.
Wer den Schornstein dauerhaft stilllegen möchte, sollte ihn oben verschließen – nicht nur abdecken, sondern wirklich dicht machen. Ein offener, ungenutzter Schornstein ist eine Einladung für Feuchtigkeit, und die nimmt sie gerne an.
Regen als Ursache wird bei der Diagnose oft zu spät einbezogen. Dabei ist die Lösung in vielen Fällen vergleichsweise einfach – wenn man früh genug hinschaut.